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Datenschutz beim Online-Dating — Daten abfragen & löschen
Datenschutz beim Online-Dating: Welche Daten Plattformen speichern, wie Du Auskunft und Löschung nach DSGVO durchsetzt und Dich von Anfang an schützt.
Aktualisiert: 17. September 2026
Stell Dir vor, jemand legt eine Akte über Dich an. Darin steht, wen Du attraktiv findest und wen nicht. Wie lange Du zögerst, bevor Du antwortest. Zu welcher Uhrzeit Du einsam bist. Wo Du wohnst, wo Du arbeitest, welchen Weg Du dazwischen nimmst. Was Du jemandem um drei Uhr nachts geschrieben hast, den Du nie getroffen hast. Und dazu ein paar hundert Fotos von Dir.
Diese Akte existiert. Sie liegt auf den Servern jeder Dating-Plattform, bei der Du jemals ein Konto hattest — auch bei denen, die Du vor drei Jahren zuletzt geöffnet hast.
Datenschutz beim Online-Dating ist deshalb kein Randthema für Technikpedanten, sondern praktischer Selbstschutz. Dating-Daten gehören zu den sensibelsten Informationen, die es über einen Menschen gibt: sexuelle Orientierung, Beziehungsstatus, Gesundheitsangaben, Standortverläufe, intime Kommunikation. Die Datenschutz-Grundverordnung stuft einen Teil davon ausdrücklich als besondere Kategorie personenbezogener Daten ein — mit entsprechend hohen Anforderungen.
Dieser Ratgeber zeigt Dir, was Plattformen tatsächlich über Dich speichern, wie Du diese Daten anforderst und löschen lässt, was nach einer Löschung übrig bleibt, wie Du auf ein Datenleck reagierst und welche Einstellungen Dich von Anfang an schützen. Am Ende steht eine Checkliste, die Du in zwanzig Minuten abarbeiten kannst.
Welche Daten Dating-Plattformen wirklich sammeln
Die meisten Menschen denken bei ihren Dating-Daten an das Profil: Fotos, Alter, ein paar Sätze über sich. Das ist der kleinste und harmloseste Teil. Die eigentliche Datenmenge entsteht durch die Nutzung selbst.
Was Du aktiv angibst
Hierzu zählt alles, was Du bewusst einträgst: Name oder Spitzname, Geburtsdatum, Wohnort, Größe, Beruf, Bildungsstand, Raucher- und Trinkverhalten, Kinderwunsch, Religion, politische Einstellung, sexuelle Orientierung. Viele Plattformen fragen zusätzlich nach Persönlichkeitsmerkmalen über ausführliche Fragebögen.
Zwei Kategorien davon sind rechtlich besonders geschützt: Angaben zur sexuellen Orientierung und zur Religion oder Weltanschauung gelten nach Artikel 9 DSGVO als besondere Kategorien. Ihre Verarbeitung ist nur unter engen Voraussetzungen zulässig — in der Praxis auf Grundlage Deiner ausdrücklichen Einwilligung, die Du mit der Registrierung erteilst.
Was nebenbei entsteht
Hier wird es umfangreich. Jede Interaktion wird protokolliert: welches Profil Du wie lange angeschaut hast, wen Du nach links und wen nach rechts gewischt hast, welche Nachrichten Du geöffnet und welche Du ignoriert hast, wie schnell Du antwortest, zu welchen Tageszeiten Du aktiv bist, wie oft Du die App am Tag öffnest.
Dazu kommen technische Daten: IP-Adresse, Gerätetyp, Betriebssystem, Browserkennung, eindeutige Werbe-IDs, Absturzberichte. Und Standortdaten — bei Apps mit Umkreissuche naturgemäß laufend, oft auch dann, wenn die App im Hintergrund läuft.
Was abgeleitet wird
Der am wenigsten sichtbare Teil. Aus Deinem Verhalten berechnen die Systeme Merkmale, die Du nirgends angegeben hast: eine interne Bewertung Deiner Attraktivität oder Beliebtheit, eine Einschätzung Deiner Zahlungsbereitschaft, Vermutungen über Deinen bevorzugten Typ, Aktivitäts-Scores, die darüber entscheiden, wie oft Du überhaupt ausgespielt wirst.
Diese abgeleiteten Daten sind ebenfalls personenbezogene Daten — Du hast also auch auf sie ein Auskunftsrecht. In der Praxis rücken Anbieter sie am ungernsten heraus.
Chatverläufe
Ein Punkt, der regelmäßig unterschätzt wird: Deine Nachrichten liegen im Klartext auf den Servern des Anbieters. Anders als bei Messengern mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist Dating-Kommunikation praktisch nie so geschützt — schon weil die Moderation mitlesen können muss, um Betrug und Belästigung zu erkennen.
Das ist nicht per se falsch, aber es hat eine Konsequenz: Alles, was Du je in einem Dating-Chat geschrieben hast, ist grundsätzlich lesbar. Für Mitarbeiter mit entsprechenden Rechten, bei einer behördlichen Anfrage — und im Fall eines Datenlecks für Unbefugte.
Was eine Datenauskunft zutage fördert
Wie umfangreich diese Sammlung ausfällt, wurde spätestens öffentlich, als eine französische Journalistin 2017 bei einer großen Dating-App ihre gespeicherten Daten anforderte. Sie erhielt mehrere hundert Seiten: sämtliche Matches, alle Nachrichten, Standortverläufe, Facebook-Verknüpfungen, Angaben zu Bildung und Arbeitgeber — über Jahre hinweg, lückenlos protokolliert.
Der Fall veränderte die öffentliche Wahrnehmung, weil er ein abstraktes Unbehagen konkret machte. Es ging nicht um ein Leck oder einen Missbrauch, sondern um den völlig regulären Normalbetrieb. Die Daten waren einfach da, weil sie immer da sind.
Seitdem haben sich die Auskunftsprozesse verbessert — nicht aus Einsicht, sondern weil die DSGVO sie vorschreibt. Die meisten größeren Anbieter haben inzwischen eine Selbstbedienungsfunktion, über die Du Deine Daten als Archiv herunterladen kannst. Das ist bequem, aber oft nicht vollständig: Der automatische Export enthält regelmäßig genau die abgeleiteten Merkmale nicht, die am aufschlussreichsten wären.
Dein Auskunftsrecht nach Artikel 15 DSGVO
Du hast das Recht zu erfahren, welche Daten ein Anbieter über Dich verarbeitet — und zwar vollständig, kostenlos und ohne Begründung.
Was Dir zusteht
Artikel 15 DSGVO gibt Dir Anspruch auf eine Kopie aller personenbezogenen Daten. Dazu kommen Informationen über die Zwecke der Verarbeitung, die Kategorien der Daten, die Empfänger oder Empfängerkategorien, die geplante Speicherdauer, die Herkunft der Daten und darüber, ob eine automatisierte Entscheidungsfindung stattfindet — Letzteres ist bei Matching-Algorithmen durchaus relevant.
Wie Du vorgehst
Such zuerst nach einer Download-Funktion in den Kontoeinstellungen. Ist eine vorhanden, nutze sie — das geht am schnellsten.
Fordere danach schriftlich nach, wenn Dir etwas fehlt. Den Datenschutzkontakt findest Du in der Datenschutzerklärung, meist als Adresse in der Form datenschutz oder privacy beim jeweiligen Anbieter. Eine formlose E-Mail genügt:
Betreff: Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO
Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit beantrage ich Auskunft über alle personenbezogenen Daten, die Sie zu meiner Person verarbeiten. Mein Konto lautet auf die E-Mail-Adresse [Adresse]. Ich bitte um eine vollständige Kopie der Daten sowie um Angaben zu Verarbeitungszwecken, Empfängern, Speicherdauer, Datenherkunft und zum Einsatz automatisierter Entscheidungsfindung einschließlich Profiling. Bitte bestätigen Sie den Eingang und nennen Sie mir das Bearbeitungsdatum.
Der Anbieter muss innerhalb eines Monats reagieren. Bei komplexen Anfragen darf er auf drei Monate verlängern, muss Dich darüber aber innerhalb des ersten Monats informieren. Die Auskunft ist kostenlos; nur für weitere Kopien darf ein angemessenes Entgelt verlangt werden.
Wenn nichts oder zu wenig kommt
Reagiert der Anbieter nicht oder liefert erkennbar unvollständig, hast Du zwei Wege. Du kannst schriftlich nachfassen und eine Frist setzen. Und Du kannst Dich nach Artikel 77 DSGVO bei einer Datenschutzaufsichtsbehörde beschweren — in Deutschland bei der Behörde Deines Bundeslandes, die Beschwerde ist kostenlos und formlos möglich.
Sitzt der Anbieter in einem anderen EU-Land, ist die dortige Behörde zuständig; Du kannst Dich aber trotzdem an Deine heimische Aufsicht wenden, die den Fall weiterleitet. Sitzt er außerhalb der EU und richtet sein Angebot an EU-Nutzer, gilt die DSGVO ebenfalls — die Durchsetzung ist dann allerdings deutlich mühsamer. Das ist einer der Gründe, warum ein Blick ins Impressum vor der Anmeldung lohnt, wie im Ratgeber zu seriösen Dating-Seiten beschrieben.
Zwei weitere Rechte, die kaum jemand nutzt
Neben der Auskunft gibt Dir die DSGVO zwei Hebel, die im Dating-Kontext besonders relevant sind.
Datenübertragbarkeit nach Artikel 20. Du kannst verlangen, dass Dir Deine Daten in einem gängigen, maschinenlesbaren Format ausgehändigt werden. Das klingt technisch, ist aber praktisch: Du bekommst Deine Chatverläufe und Profilangaben als strukturierte Datei statt als PDF-Wüste — nützlich, wenn Du etwas dokumentieren willst, etwa Belästigung oder einen Betrugsversuch.
Widerspruch gegen Profiling nach Artikel 21 und 22. Matching-Algorithmen sind automatisierte Verarbeitung, und Du hast das Recht zu erfahren, welche Logik dahintersteckt und welche Folgen sie für Dich hat. Vollständig abschalten lässt sich das Matching nicht — es ist der Kern des Dienstes. Aber Du kannst der Nutzung Deiner Daten für Werbezwecke jederzeit und ohne Begründung widersprechen. Dieser Widerspruch muss umgesetzt werden, und zwar sofort.
In der Praxis reicht ein Satz in derselben E-Mail: „Hiermit widerspreche ich der Verarbeitung meiner Daten zu Zwecken der Direktwerbung und des werblichen Profilings.“
Löschen statt deaktivieren
Hier liegt die wichtigste praktische Unterscheidung des ganzen Themas — und die Stelle, an der die meisten Menschen unwissentlich das Falsche tun.
Der Unterschied
Deaktivieren blendet Dein Profil aus. Andere sehen Dich nicht mehr, Du bekommst keine Benachrichtigungen. Deine Daten, Chats, Fotos und Verhaltensprotokolle bleiben vollständig erhalten — meist sogar ausdrücklich, damit Du jederzeit zurückkommen kannst.
Löschen nach Artikel 17 DSGVO verlangt die tatsächliche Entfernung der Daten.
Viele Apps bieten in den Einstellungen prominent die Pause- oder Deaktivierungsfunktion an, während die Löschung tiefer vergraben liegt oder nur auf Anfrage erfolgt. Das ist kein Versehen: Ein deaktiviertes Konto ist für den Anbieter ein schlafender Kunde, ein gelöschtes ein verlorener.
So löschst Du richtig
Such in den Kontoeinstellungen gezielt nach den Begriffen Konto löschen, Account löschen oder Profil endgültig entfernen. Achte auf die Formulierung im Bestätigungsdialog — steht dort nur pausieren oder ausblenden, ist es nicht das, was Du willst.
Findest Du keine Löschfunktion, verlange sie schriftlich:
Betreff: Löschung nach Art. 17 DSGVO
hiermit verlange ich die vollständige Löschung aller personenbezogenen Daten zu meinem Konto [E-Mail-Adresse]. Bitte bestätigen Sie mir die Löschung in Textform und teilen Sie mir mit, welche Daten Sie aus welchem Rechtsgrund weiterhin aufbewahren.
Der letzte Satz ist der entscheidende. Er zwingt den Anbieter, Restbestände zu benennen, statt sie stillschweigend zu behalten.
Wichtig: Kündigung und Löschung sind zwei verschiedene Vorgänge. Ein gekündigter Vertrag beendet die Zahlung, nicht die Speicherung. Wie Du die Kündigung selbst sauber durchbringst, steht im Ratgeber zum Dating-Abo kündigen.
Was legitim zurückbleibt
Vollständige Löschung ist nicht immer möglich, und einige Ausnahmen sind rechtmäßig:
- Rechnungs- und Zahlungsdaten unterliegen steuer- und handelsrechtlichen Aufbewahrungsfristen von sechs bis zehn Jahren. Die bleiben, dürfen aber nur noch zu diesem Zweck verwendet werden.
- Nachrichten an andere Nutzer liegen in deren Postfach. Sie sind dort nicht mehr Deine Daten allein, und der Anbieter löscht sie in der Regel nicht mit.
- Backups werden meist nicht gezielt durchsucht, sondern im normalen Rotationszyklus überschrieben — oft innerhalb von 30 bis 90 Tagen.
- Sperrlisten: Wurde Dein Konto wegen Verstößen gesperrt, darf der Anbieter ein Minimum an Daten behalten, um eine Neuanmeldung zu verhindern.
Was nicht zulässig ist: das Profil weiterhin vorzuhalten, Verhaltensdaten zu Analysezwecken zu behalten oder Fotos zu speichern, weil es technisch einfacher ist.
Fotos — das unterschätzte Risiko
Deine Dating-Fotos sind der Teil Deiner Daten, der Dich am leichtesten identifizierbar macht, und zwar dauerhaft.
Rückwärtssuche
Jedes Foto, das Du öffentlich in ein Dating-Profil stellst, kann über eine umgekehrte Bildersuche mit anderen Konten verknüpft werden. Verwendest Du dasselbe Bild bei Instagram, LinkedIn oder in einem Forum, ist die Verbindung in Sekunden hergestellt — inklusive Deines echten Namens und Arbeitgebers.
Die praktische Konsequenz: Nutze für Dating-Profile Fotos, die sonst nirgends im Netz stehen. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme in diesem ganzen Ratgeber und kostet Dich nichts außer ein paar Minuten beim Aussortieren. Worauf es bei guten Bildern sonst ankommt, steht unter Dating-Fotos.
Metadaten
Fotos aus dem Smartphone enthalten EXIF-Daten: Aufnahmezeitpunkt, Kameramodell und häufig GPS-Koordinaten. Die meisten großen Plattformen entfernen diese Daten beim Upload — verlassen solltest Du Dich darauf nicht, und kleinere Anbieter tun es oft nicht.
Am einfachsten umgehst Du das Problem, indem Du in den Kameraeinstellungen die Standortmarkierung deaktivierst oder das Bild vor dem Hochladen einmal zuschneidest, was die Metadaten in der Regel entfernt.
Was im Hintergrund zu sehen ist
Hausnummern, Straßenschilder, Firmenlogos auf Arbeitskleidung, der Blick aus dem Fenster, das Nummernschild im Hintergrund — all das erlaubt Rückschlüsse auf Deinen Wohn- oder Arbeitsort. Bei Selfies in der eigenen Wohnung reicht manchmal schon ein markanter Balkon.
Standortdaten und Umkreissuche
Dating-Apps mit Entfernungsanzeige brauchen Deinen Standort — aber nicht so genau und nicht so oft, wie viele Apps ihn abfragen.
Prüfe in den Systemeinstellungen Deines Telefons, welche Berechtigung die App tatsächlich hat. Unter iOS und Android lässt sich der Zugriff meist auf beim Verwenden der App beschränken, statt ihn dauerhaft im Hintergrund zu erlauben. Android bietet zusätzlich die Option, nur den ungefähren Standort freizugeben — für eine Umkreissuche vollkommen ausreichend.
Ein zweiter Punkt betrifft die Anzeige nach außen. Manche Apps zeigen anderen Nutzern die Entfernung auf hundert Meter genau. Wer Dich an drei verschiedenen Orten prüft, kann Deine Position daraus rechnerisch eingrenzen. Wenn Deine App eine Einstellung zur Entfernungsanzeige bietet, stell sie gröber — oder schalte sie ab.
Tracking und Weitergabe an Dritte
Der Punkt, den kaum jemand liest: Was passiert mit Deinen Daten außerhalb der Plattform?
Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen haben in den vergangenen Jahren wiederholt gezeigt, dass Dating-Apps Daten an Werbe- und Analysedienstleister weitergeben — teils auch solche mit Bezug zur sexuellen Orientierung. Das ist deshalb brisant, weil es sich um besonders geschützte Daten handelt.
Konkret prüfen kannst Du das an drei Stellen:
- In der Datenschutzerklärung im Abschnitt zu Empfängern oder Weitergabe. Steht dort eine lange Liste von Werbepartnern, weißt Du Bescheid.
- Im Einwilligungsbanner beim ersten Start. Wähle konsequent nur essenzielle Cookies und lehne Personalisierung ab — die App funktioniert dadurch nicht schlechter.
- In den App-Einstellungen unter Punkten wie personalisierte Werbung oder Datennutzung.
Zusätzlich lässt sich auf Systemebene einiges abstellen: Unter iOS verweigerst Du das App-Tracking über die Tracking-Transparenz-Abfrage, unter Android kannst Du die Werbe-ID in den Datenschutzeinstellungen löschen.
Wenn es zum Datenleck kommt
Dating-Plattformen sind attraktive Ziele, weil die Daten sich besonders gut für Erpressung eignen. Entsprechend hat es in den letzten Jahren immer wieder Vorfälle gegeben.
Was der Anbieter tun muss
Bei einer Datenpanne muss der Anbieter die Aufsichtsbehörde binnen 72 Stunden informieren. Besteht ein hohes Risiko für die betroffenen Personen, muss er auch Dich benachrichtigen — unverzüglich und in klarer Sprache.
Was Du tun solltest
Sofort: Passwort ändern, und zwar überall dort, wo Du dasselbe oder ein ähnliches verwendet hast. Wenn die Plattform Zwei-Faktor-Authentifizierung anbietet, jetzt aktivieren.
Danach: Prüfe über einen seriösen Leak-Checker, welche Deiner Daten im Umlauf sind. Beobachte Deine Kontoauszüge, falls Zahlungsdaten betroffen waren.
Rechne mit Folgekontakten: Nach Leaks häufen sich Erpressungsmails, die behaupten, kompromittierendes Material zu besitzen. Meist ist das reiner Bluff auf Basis der geleakten Daten — wie Du damit umgehst, steht im Ratgeber zu Sextortion. Zahle nie, und antworte nicht.
Deine Rechte: Nach Artikel 82 DSGVO kommt Schadenersatz in Betracht, wenn Dir durch den Verstoß ein materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist. Deutsche Gerichte haben dazu in den letzten Jahren unterschiedlich entschieden, aber die Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde ist in jedem Fall kostenlos und sinnvoll.
Wenn die Plattform verkauft wird oder verschwindet
Ein Szenario, an das beim Anlegen eines Profils niemand denkt — das aber häufiger eintritt, als man meint. Der Dating-Markt konsolidiert seit Jahren: Anbieter werden aufgekauft, fusioniert oder eingestellt.
Für Deine Daten bedeutet das dreierlei.
Beim Verkauf geht der Datenbestand in der Regel mit über. Kundendaten sind bei solchen Transaktionen ein wesentlicher Teil des Werts — genau deshalb werden sie gekauft. Der neue Eigentümer muss Dich über den Wechsel des Verantwortlichen informieren, und Deine Rechte gelten unverändert weiter. Aber: Sitzt der Käufer außerhalb der EU, kann sich Deine praktische Durchsetzungsmöglichkeit erheblich verschlechtern, obwohl formal alles beim Alten bleibt.
Bei einer Fusion landen Deine Daten oft in einem größeren Konzernverbund. Mehrere der bekanntesten Dating-Marken gehören inzwischen zu wenigen Dachgesellschaften. Ob Daten zwischen diesen Marken ausgetauscht werden, steht in der Datenschutzerklärung unter Weitergabe innerhalb der Unternehmensgruppe — ein Abschnitt, den zu lesen sich lohnt.
Bei einer Insolvenz wird es unübersichtlich. Der Datenbestand ist Teil der Insolvenzmasse und kann verwertet werden. Die DSGVO gilt zwar weiter, aber es gibt oft niemanden mehr, der Anfragen bearbeitet. Wenn ein Anbieter, bei dem Du ein Konto hast, den Betrieb einstellt, ist das der Moment für eine zügige Löschanfrage — nicht erst, wenn die Seite offline geht.
Die schlichte Konsequenz aus alledem: Ein Konto, das Du nicht mehr brauchst, solltest Du löschen, solange es den Anbieter noch gibt. Später wird es schwieriger.
Die andere Seite: Was Menschen mit Deinen Daten machen
Datenschutz beim Online-Dating endet nicht beim Anbieter. Der Teil, der Dich im Alltag häufiger betrifft, sind die Menschen, mit denen Du schreibst.
Screenshots. Alles, was Du in einem Chat schickst, kann fotografiert und weitergeleitet werden — unabhängig davon, ob die App eine Löschfunktion hat oder Bilder nur einmal anzeigt. Es gibt keine technische Maßnahme, die das verhindert. Die einzig verlässliche Regel lautet deshalb: Verschick nichts, dessen Weiterverbreitung Dich in Schwierigkeiten brächte. Das gilt besonders für intime Aufnahmen, mit denen häufig erpresst wird — die Masche ist im Ratgeber zu Sextortion beschrieben.
Recherche. Aus einem Vornamen, einem Beruf und einem markanten Foto lässt sich mit etwas Geduld sehr viel finden. Das ist nicht per se böse Absicht — viele Menschen googeln ihr Date vor dem ersten Treffen, und aus Sicherheitsgründen ist das sogar sinnvoll. Es bedeutet aber, dass die Informationen in Deinem Profil in der Summe mehr preisgeben als einzeln.
Was in Deinen Nachrichten steckt. Im Gesprächsverlauf erzählen die meisten Menschen beiläufig Dinge, die sie nie ins Profil schreiben würden: den Arbeitgeber, das Viertel, den Namen des Hundes, die Schule der Kinder, die Urlaubswoche. Einzeln harmlos, zusammen ein Profil. Bei Menschen, die Du noch nicht eingeschätzt hast, lohnt es sich, damit sparsam zu sein.
Wenn Kontakt unerwünscht wird. Solange Ihr innerhalb der Plattform schreibt, ist Blockieren wirksam und vollständig. Hast Du bereits Nummer oder Social-Media-Profile herausgegeben, ist es das nicht mehr — dann bleiben nur einzelne Sperren auf mehreren Kanälen. Das ist der praktische Grund, warum der Zeitpunkt des Nummernaustauschs eine echte Datenschutzentscheidung ist und keine Höflichkeitsfrage.
Praktischer Schutz von Anfang an
Die wirksamsten Maßnahmen setzt Du vor der Anmeldung, nicht danach.
Eine eigene E-Mail-Adresse. Leg für Dating eine separate Adresse an, die nicht Deinen vollen Namen enthält. Sie entkoppelt Dein Dating-Konto von allem anderen und lässt sich im Ernstfall einfach aufgeben.
Ein eigenes Passwort. Für jede Plattform ein anderes, idealerweise aus einem Passwortmanager. Bei einem Leak bleibt der Schaden dann lokal.
Fotos, die nirgends sonst existieren. Siehe oben — die wirksamste Einzelmaßnahme.
Keine Social-Media-Verknüpfung. Die Anmeldung über Facebook oder Instagram ist bequem und überträgt dabei Daten in beide Richtungen. Eine getrennte Registrierung ist die sauberere Wahl.
Kein Klarname im Profil. Vorname genügt. Nachname, Arbeitgeber und Wohnviertel gehören nicht in ein öffentliches Profil.
Zahlung ohne Datenspur. Wo möglich über PayPal oder eine virtuelle Kreditkarte statt per Lastschrift mit voller Kontoverbindung.
Die Nummer später. Deine Telefonnummer ist ein Schlüssel zu Messenger-Profilen und weiteren Konten. Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, steht im Ratgeber zum Nummernaustausch.
Alte Konten aufräumen. Das ist der Punkt, den fast alle vergessen: Konten bei Plattformen, die Du vor Jahren genutzt hast, existieren weiter — mit allen Daten. Geh die Liste einmal durch und lösch, was Du nicht mehr brauchst.
Worauf Du bei der Plattformwahl achten solltest
Datenschutz ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal zwischen Anbietern, auch wenn er selten beworben wird. Fünf Punkte lassen sich vor der Anmeldung prüfen:
| Prüfpunkt | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Unternehmenssitz | Innerhalb der EU sind DSGVO-Rechte praktisch durchsetzbar, außerhalb oft nur theoretisch |
| Datenschutzerklärung | Verständlich und konkret statt seitenlang und unbestimmt |
| Löschfunktion | Direkt in den Einstellungen auffindbar, nicht nur auf schriftliche Anfrage |
| Datenexport | Selbstbedienung für die Auskunft nach Art. 15 vorhanden |
| Weitergabe an Dritte | Kurze, benannte Liste statt offener Werbepartner-Kataloge |
Der Unternehmenssitz ist dabei der wichtigste Einzelpunkt. Ein Anbieter mit Sitz in Deutschland oder der EU unterliegt einer Aufsichtsbehörde, die Du tatsächlich anrufen kannst. Bei einem Anbieter mit Briefkastenadresse außerhalb der EU hast Du formal dieselben Rechte und praktisch fast keine Möglichkeit, sie durchzusetzen.
Genau diese Punkte prüfen wir in unseren Tests mit. Wo die getesteten Anbieter sitzen, wie transparent sie abrechnen und wie es um Moderation und Nutzerschutz steht, siehst Du im Dating-Seiten-Vergleich — mit Trust-Score und Konditionen nebeneinander.
Checkliste für zwanzig Minuten
Wenn Du nur eine Sache aus diesem Ratgeber mitnimmst, dann diese Liste. Sie ist in einer knappen halben Stunde erledigt.
- Alte Konten auflisten. Durchsuche Dein E-Mail-Postfach nach Begriffen wie Willkommen, Registrierung oder Dating. Du wirst Konten finden, die Du vergessen hattest.
- Diese Konten löschen — nicht deaktivieren. Wo keine Löschfunktion existiert, die Mustermail oben verwenden.
- Beim aktiven Konto den Datenexport anfordern. Einmal anschauen, was da liegt. Das verändert den Blick auf die Sache mehr als jeder Ratgeber.
- Standortberechtigung prüfen und auf beim Verwenden der App beziehungsweise ungefähren Standort umstellen.
- Werbeeinstellungen durchgehen — in der App und auf Systemebene.
- Profilfotos prüfen: Steht eines davon auch anderswo im Netz? Dann austauschen.
- Passwort prüfen — einzigartig, und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, wo möglich.
- Klarnamen und Arbeitgeber aus dem Profil entfernen, falls vorhanden.
Zum Schluss
Nichts davon soll Dir das Online-Dating vermiesen. Die Plattformen funktionieren, Menschen finden dort einander, und die Datenverarbeitung ist zum größten Teil schlicht das, was der Betrieb eines solchen Dienstes erfordert.
Der Unterschied liegt darin, ob es bewusst geschieht. Wer weiß, welche Daten entstehen, entscheidet anders — bei der Wahl der Plattform, bei den Fotos, bei dem, was ins Profil kommt, und vor allem bei dem, was nach dem Ende einer Dating-Phase mit dem Konto passiert.
Die Rechte dafür hast Du bereits. Auskunft, Löschung, Beschwerde — das sind keine Gefälligkeiten, sondern Ansprüche, die Du mit einer formlosen E-Mail geltend machst. Genutzt werden sie selten. Das ist der eigentliche Grund, warum die Akten über uns so vollständig sind.
Die Grundregeln für den sicheren Umgang beim Kennenlernen selbst findest Du ergänzend unter sicheres Online-Dating, und wie Du unechte Profile früh erkennst, steht unter Fake-Profile erkennen.
Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen zur Rechtslage in Deutschland und der EU und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Häufige Fragen
01 Welche Daten speichern Dating-Plattformen über mich?
Deutlich mehr als Dein Profil. Dazu gehören sämtliche Chatverläufe, jedes Wischen und Anklicken, Standortdaten, Geräteinformationen, IP-Adressen, Login-Zeiten, hochgeladene Fotos samt Metadaten und Zahlungsinformationen. Hinzu kommen abgeleitete Merkmale — also Einschätzungen, die das System über Dich bildet, etwa zu Attraktivität, Aktivität oder Vorlieben. Vieles davon steht in der Datenschutzerklärung, aber selten an einer Stelle zusammen.
02 Wie bekomme ich Auskunft über meine Daten bei einer Dating-App?
Über Artikel 15 DSGVO. Du schreibst formlos an den Datenschutzkontakt des Anbieters, nennst Dein Konto und verlangst eine vollständige Kopie aller gespeicherten Daten samt Zweck, Empfängern und Speicherdauer. Der Anbieter muss innerhalb eines Monats reagieren; in komplexen Fällen darf er auf drei Monate verlängern, muss Dich darüber aber informieren. Die Auskunft ist kostenlos.
03 Ist ein Konto deaktivieren dasselbe wie löschen?
Nein, und der Unterschied ist erheblich. Deaktivieren blendet Dein Profil nur aus — Daten, Chats und Fotos bleiben vollständig gespeichert und sind für den Anbieter weiter verfügbar. Löschen nach Artikel 17 DSGVO verlangt die tatsächliche Entfernung. Viele Apps bieten prominent nur die Deaktivierung an; die Löschung musst Du oft aktiv suchen oder schriftlich verlangen.
04 Bleiben nach der Löschung Daten zurück?
Teilweise ja, und das ist zulässig. Rechnungs- und Zahlungsdaten unterliegen steuerlichen Aufbewahrungsfristen von bis zu zehn Jahren. Nachrichten, die Du anderen Nutzern geschickt hast, bleiben in deren Postfach. Backups werden meist erst im regulären Rotationszyklus überschrieben. Der Anbieter muss Dir auf Nachfrage aber erklären, welche Daten aus welchem Grund noch vorliegen.
05 Was tue ich, wenn eine Dating-Plattform ein Datenleck hatte?
Ändere sofort das Passwort dort und überall, wo Du dasselbe verwendet hast. Prüfe mit einem Leak-Checker, welche Daten betroffen sind. Der Anbieter muss Dich benachrichtigen, wenn ein hohes Risiko für Dich besteht. Wenn Dir ein Schaden entstanden ist, kommt ein Schadenersatzanspruch nach Artikel 82 DSGVO in Betracht, und Du kannst Dich bei der zuständigen Datenschutzaufsicht beschweren.